25. September 2020

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Frühjahrsblüher – jetzt wird es bunt

Buschwindröschen

Buschwindröschen Foto: Kreis Bernkastel-Wittlich

Noch vor Beginn des kalendarischen Frühlingsanfangs erscheinen die ersten Blütenpflanzen, die die Wälder und Wiesen mit neuem Leben erfüllen. Doch wieso bleiben uns diese wunderschönen Farbtupfer nicht das ganze Jahr über erhalten? Und um welche Pflanzen handelt es sich dabei?

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Diese Fragen bringen uns zur Ökologie der Frühblüher, also die Beziehung eines jeden Organismus zur umgebenden Außenwelt. Was hat das jetzt mit Veilchen, Scharbockskraut und Co. zu tun? Jede Pflanzenart kann nur unter bestimmten Bedingungen an bestimmten Orten vorkommen. Frühblüher sind die Pflanzenarten, die als Erste im Jahr in Erscheinung treten. Bei den Frühblühern ist es in erster Linie das viele Licht, dass sie aus dem Verborgenen hervorlockt, denn sie benötigen für die Photosynthese ausreichend Sonnenenergie. Dabei nutzen sie zunächst das vorhandene, auf dem Boden liegende Laub, welches aufgrund der Sonnenbestrahlung wie ein kleines Treibhaus wirkt. Bevor die viel größeren Bäume und Sträucher blühen, neue Blätter bilden und ihnen das Licht “rauben”, haben die Frühjahrsblüher schon alle lebensnotwendigen Stoffe (Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette) hergestellt, sich vermehrt und verblühen schließlich.

Die Vertreter der Frühblüher haben noch weitere Tricks auf Lager. Bei den Geophyten (“Erdpflanzen”) werden die produzierten Kohlenhydrate zum Teil in Wurzelstöcken, Knollen oder Zwiebeln gespeichert und verbleiben über den Winter im Boden. Im nächsten Jahr können die gespeicherten Stoffe wie aus einem Vorratsschrank abgerufen und zum Wachstum genutzt werden. Wenn die Belaubung der Bäume startet, verlieren sie ihre Blätter und die Speicherung vor allem von Stärke beginnt von vorne. So ist zum Beispiel das Buschwindröschen im Sommer und Herbst an der Oberfläche fast völlig verschwunden. Ein weiterer bekannter Vertreter dieser Frühblüher-Kategorie ist wohl der Bärlauch. Aber auch Hohler Lerchensporn, Scharbockskraut, Leberblümchen und Schneeglöckchen überdauern mit Hilfe dieser Methode.

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Waldmeister, Lungenkraut, Wald-Bingelkraut und Kriechender Günsel haben sich noch etwas anderes einfallen lassen. Sie behalten ihre Blätter, stellen ihren Stoffwechsel um und können so noch ausreichend Photosynthese betreiben, auch wenn nur wenig Licht verfügbar ist.

Nicht nur uns Menschen erfreuen die bunten Frühblüher mit ihrer abwechslungsreichen Farbenpracht. Auch viele Insekten profitieren von ihnen. So dienen sie Bienen und anderen Insekten als erste wichtige Nahrungsquelle im Jahr. Gerade völkerbildende Arten wie Honigbienen und Hummeln sind auf Frühblüher wie Krokusse angewiesen. Auch Schmetterlinge, zum Beispiel Kleiner und Großer Perlmutterfalter, nutzen verschiedene Veilchenarten als Futterpflanze. Einige der Frühblüher Arten lassen sich auch in Gärten ganz einfach kultivieren. Sie sehen nicht nur schön aus, sondern dienen auch der Unterstützung gefährdeter Insektenarten, die den Garten noch bunter gestalten.

Gefährdung, Schutz, rechtliche Situation

Einige Frühblüher genießen besonderen Schutzstatus. So gelten zum Beispiel Schneeglöckchen, Krokusse, Märzenbecher, Schlüsselblumen und Traubenhyazinthen nach dem Bundesnaturschutzgesetz als besonders geschützte Arten. Danach ist es verboten die Pflanzen oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu beschädigen oder zu zerstören. Auch einige Insektenarten, denen die Frühblüher eine wichtige Nahrungsquelle sind, stehen unter diesem besonderen Schutz, so beispielsweise alle heimischen Bienen und Hummeln sowie manche Schmetterlingsarten.

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es aber auch verboten andere wild lebende Pflanzen ohne vernünftigen Grund von ihrem Standort zu entnehmen, zu nutzen, ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten, zu beeinträchtigen oder zu zerstören. Diese Verbote schränken uns Menschen nicht ein, sondern helfen, eine artenreiche und vielfältige Natur zu erhalten, aus der wir wiederum Kraft und Freude schöpfen.

Bei Rückfragen steht Desiree Berg von der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich, Tel: 06571/14-2466, Fax: 06571/14-42466, E-Mail: Desiree.Berg@Bernkastel-Wittlich.de gerne zur Verfügung.

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