Wittlich. Unter dem Leitthema „Blick nach vorn“ versammelten sich am 21. und 22. Januar 2026 rund 900 Winzerinnen und Winzer, Fachleute aus Weinbau, Oenologie, Vermarktung sowie Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Verbänden zu den Moselweinbautagen 2026 im EVENTUM in Wittlich. Die traditionsreiche Fachveranstaltung, organisiert vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel in Zusammenarbeit mit der Vereinigung ehemaliger Weinbauschüler Mosel e. V., der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz sowie dem Bauern- und Winzerverband bot ein breit gefächertes Programm mit aktuellen Fachvorträgen, Podiumsdiskussionen und einer umfangreichen Fachausstellung.
Bereits zu Wochenbeginn hatte das DLR Mosel zum Neujahrsempfang eingeladen. Außerhalb der fachlichen Tagesordnung bot dieser eine Plattform für persönlichen Austausch, Vernetzung und offene Gespräche. Ziel war es, das Zusammensein innerhalb der Weinbranche zu stärken und Raum für neue Perspektiven, kreative Lösungsansätze und gemeinsame Ideen für die Zukunft des Moselweinbaus zu schaffen.
Im Mittelpunkt der Moselweinbautage standen die Herausforderungen und Chancen, des Moselweinbaus: Klimawandel, Pflanzenschutz, technische Innovationen, Markt- und Profilfragen sowie die langfristige Sicherung der einzigartigen Weinkulturlandschaft Mosel. Fachvorträge des DLR Mosel vermittelten praxisnahe Einblicke in laufende Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, unter anderem zu neuen Pflanzenschutzstrategien, zum Einsatz moderner Technik im Steillagenweinbau sowie zu sensorischen und önologischen Fragestellungen. Beiträge externer Referenten, etwa von der Hochschule Geisenheim University, ordneten diese Themen in den größeren Kontext des Klimawandels ein.
Die offizielle Eröffnung der Moselweinbautage erfolgte durch Norbert Müller, Leiter des DLR Mosel. In seiner Rede machte er deutlich, dass das DLR die derzeit schwierige Situation im Weinbau mit großem Ernst betrachtet. „Der Weinbau steht aktuell vor tiefgreifenden wirtschaftlichen, strukturellen und klimatischen Herausforderungen. Diese Entwicklungen nehmen wir als DLR Mosel sehr ernst. Unser Anspruch ist es, die Winzerinnen und Winzer in dieser Phase bestmöglich zu unterstützen“, betonte Müller.
Ein zentraler Ansatzpunkt sei dabei die Förderung von Innovation. „Wir setzen gezielt auf neue technische und organisatorische Lösungen, um Betriebe zu entlasten und zukunftsfähig aufzustellen. Dazu gehört unter anderem der Einsatz der Pflanzenschutz-Drohne, die neue Möglichkeiten für einen präziseren und ressourcenschonenderen Pflanzenschutz insbesondere in Steillagen eröffnet“, so Müller weiter. Ebenso biete das DLR Mosel eine Flächenbörse für Rebflächen an, um strukturelle Entwicklungen aktiv zu begleiten.
Ein besonderes Anliegen sei zudem der Nachwuchs im Weinbau. „Wir dürfen die jungen Menschen nicht aus den Augen verlieren. Gut ausgebildete Fachkräfte sind die Grundlage für die Zukunft unserer Weinregion“, erklärte Müller. Vor diesem Hintergrund sei es ein wichtiges Signal, dass die Fachschule erstmals seit mehreren Jahren wieder am Standort DLR Mosel angesiedelt wird. „Damit stärken wir gezielt die Ausbildung junger Fachkräfte, sichern den Wissenstransfer in der Region und machen das DLR Mosel erneut zu einem zentralen Ort für Qualifizierung und fachliche Weiterentwicklung.“
Ein politisches Signal setzte das anschließende Grußwort von Daniela Schmitt, Ministerin für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau des Landes Rheinland-Pfalz. Sie unterstrich die wirtschaftliche, kulturelle und landschaftsprägende Bedeutung des Weinbaus an der Mosel und ging auf die Rahmenbedingungen ein, unter denen sich die Betriebe künftig behaupten müssen. „Sie tragen täglich Verantwortung – für ihre Betriebe, für die Kulturlandschaft und für eine Branche, die unser Land prägt“, dankte Schmitt den Winzerinnen und Winzern und erklärte, dass die Politik in der Pflicht stehe, diesen Weg verlässlich zu begleiten.
Ein inhaltlicher Höhepunkt des ersten Tages war die Podiumsdiskussion „Was ist die Weinkulturlandschaft Mosel wert?“, an der Vertreter aus Politik, Verwaltung, Tourismus und Weinbau teilnahmen. Diskutiert wurden unter anderem die gesellschaftliche Bedeutung der Kulturlandschaft, wirtschaftliche Perspektiven sowie die Verantwortung für ihren langfristigen Erhalt.
Der zweite Veranstaltungstag rückte verstärkt den Weinmarkt, das Profil der Herkunft Mosel und neue Weinstile in den Fokus. Beiträge des Deutschen Weininstituts sowie aus der Praxis beleuchteten Verbrauchertrends und Marktanforderungen. Themen wie Entalkoholisierung, alternative Weinstile, PIWI-Rebsorten und der klassische Moselstil zeigten, wie vielfältig die Antworten auf veränderte Konsumgewohnheiten sein können.
Abgerundet wurden die Moselweinbautage durch eine Fachverkostung, intensive Gespräche mit Ausstellern sowie Impulse zur gemeinsamen Zukunftsgestaltung von Weinbau und Weinwerbung. Mit den Moselweinbautagen 2026 hat das DLR Mosel erneut eine zentrale Plattform für Information, Austausch und strategische Diskussion geschaffen – ganz im Sinne des Mottos „Blick nach vorn“.
