Wittlich

Problemlos verlief die Entschärfung einer amerikanischen Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg am vergangenen Sonntag im Industriegebiet Wengerohr-Süd. Die 500-Kilogramm-Bombe war am 2. August 2021 entdeckt worden.

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76 Jahre nach einer der großen Wittlicher Bombardierungen war die Fliegerbombe bei Sondierungsarbeiten auf einer unbebauten Fläche im Industriegebiet Wengerohr-Süd gefunden worden. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg gezielt genutzt, um Flakbatterien und Eisenbahnbetriebsanlagen zu bombardieren.

Die Fliegerbombe besitzt einen noch funktionsfähigen Zünder, weshalb die Entschärfung als extrem gefährlich gilt. Deshalb galt die Bombe als nicht transportierbar und musste vor Ort durch den Kampfmittelräumdienst (KMRD) entschärft werden. Um den Aufwand, den eine solche Einsatzlage mit sich bringt, möglichst gering zu halten, stellte sich schnell der Sonntag als bester Termin für die Entschärfung heraus. Denn im gefährdeten Gebiet liegen nicht nur Wohnhäuser, sondern auch Industrie- und Gewerbebetriebe sowie Bahnbetriebsanlagen.

Auch wenn es sich innerhalb der letzten zehn Jahr um die dritte Bombenentschärfung im Stadtgebiet handelte, kam keine Routine auf. Eine präzise Evakuierungsplanung begann anzulaufen. Eingebunden waren neben der federführenden Stadtverwaltung auch die Polizeiinspektion Wittlich unter der Leitung von Polizeirätin Eva Klein, die Bundespolizei in Trier, die Freiwillige Feuerwehr Wittlich unter der Leitung von Stefan Monzel, die Stadtwerke Wittlich, das Deutsche Rote Kreuz und die Deutsche Bahn.

Die aktuelle Einsatzleitung lag bei der stellvertretenden Fachbereichsleiterin der Ordnungsbehörde Melanie Schlösser, die Bürgermeister Joachim Rodenkirch jeweils auf dem aktuellen Stand der Entwicklung hielt. Insgesamt mussten rund 120 Anwohner*innen im Umkreis von 500 Meter um den Bombenfundort vorübergehend evakuiert werden. Betroffen waren Wohnhäuser in der Bahnhofstraße, in der Brunnenstraße, in der Werkstraße sowie einige Industrie- und Gewerbebetriebe im Industriegebiet „Wengerohr“ und „Wengerohr-Süd“. Die betroffenen Personen und Betriebe wurden persönlich von der Feuerwehr aufgesucht und über die aktuellen Medien sowie mit Lautsprecherdurchsagen und mit Flugblättern über die bevorstehende Evakuierung am Sonntag, den 8. August 2021 bis 10 Uhr, informiert. Im Jugend- und Bürgerhaus in Wengerohr (JuB) bestand die Möglichkeit, die Zeit der Bombenentschärfung betreut von Fachkräften zu verbringen.

Vom Zeitpunkt des Fundes bis zur Entschärfung wurde der Fundort durch einen zivilen Wachdienst bewacht, um unberechtigten Zugang zum Blindgänger zu verhindern. In den Morgenstunden des Sonntags liefen dann die Straßen- und Wegesperrungen an. Um 10 Uhr musste der Sicherheitsbereich vollkommen evakuiert sein. Ab 10 Uhr kontrollierten Polizei und Feuerwehr gemeinsam, ob auch tatsächlich als Gebäude im Sicherheitsbereich verlassen wurden. Ein Polizeihubschrauber unterstützte diese Maßnahmen parallel aus der Luft. Um 12:03 Uhr befuhr der letzte Zug den Hauptbahnhof Wittlich, danach ruhte auch der Schienenverkehr. Ebenso wurde der Luftraum über der Fundstelle gesperrt. Nach erfolgreicher Evakuierung nahmen Kurt Mazzucco, Claudio Prezzio und Sven Rasehorn vom KMRD ihre Arbeit auf und begannen um 12:15 Uhr im strömenden Regen mit der Entschärfung der Bombe. Da der Ausgang einer solchen Entschärfung nie vorhersehbar ist, wurde der Fundort des Blindgängers mit einem entsprechend ausgelegten Erdwall mit Unterstützung des THW Ortsverbandes Wittlich umbaut, um die Druckwelle im Falle einer Detonation noch oben abzuleiten und Beschädigungen im umliegenden Bereich zu minimieren. In der Einsatzzentrale in der Belinger Straße wich die Anspannung um 12:19 Uhr einer großen Erleichterung, als die Meldung des KMRD hereinkam: „Die Entschärfung war erfolgreich!“. Niemand kam zu Schaden, alle evakuierten Menschen können wieder in Ihre Wohnungen zurückkehren. Der immer wieder befürchtete Katastrophentourismus blieb ebenfalls aus.

Neben der Einsatzleiterin Melanie Schlösser lobte auch Bürgermeister Joachim Rodenkirch die hervorragende Zusammenarbeit der beteiligten Sicherheitskräfte und Behörden. Seinen besonderen Dank richtete Rodenkirch an die betroffenen Anwohner*innen für die Kooperation und Einsicht an diesem Sonntag und an die vielen ehrenamtlich tätigen Einsatzkräfte, auf die auch dieses Mal wieder verlässlich gezählt werden konnte.

Lagebesprechung (Foto: Rainer Stöckicht).

 

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