Im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ luden die Kommunalen Gleichstellungsbeauftragten der Region Trier vergangene Woche zu einem Begegnungstag mit dem Frauenverein der Jüdische Kultusgemeinde Trier ein. Gestartet wurde mit einer zweistündigen Führung durch die Innenstadt Triers.

Die Historikerin Jutta Albrecht erläuterte den mehr als 20 Teilnehmerinnen beeindruckend und anschaulich die Geschichte der Jüdinnen und Juden in Trier. Neben den Erinnerungsorten des Holocaust berichtete sie auch über das fruchtbare Zusammenleben von Juden und Nichtjuden. Über Jahrhunderte bestand eine jüdische Gemeinde in Trier und brachte der Stadt nachhaltige Impulse.

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Stationen der Führung waren unter anderem das Bischof Korum Haus am Rindertanzplatz, das als Sammellager für jüdische Frauen und Kinder diente; die Liebfrauenkirche am Domfreihof; die Judengasse am Hauptmarkt, wo heute noch ein Frauenreinigungsbad, die sogenannte Mikwe, existiert und wieder freigelegt werden soll; sowie der Gedenkstein für die 1860 erbaute, in der Reichspogrom Nacht geschändete und 1944 bombardierte ehemalige Synagoge in der Zuckerbergstraße. Neben Plätzen und Straßen stand auch das Leben und Wirken jüdischer Frauen und Männer im Mittelpunkt der Führung. So unter anderem die bekannte und später im KZ Litzmannstadt ermordete Schriftstellerin Dr. Gertrud Schloß sowie Louis Scheuer, der maßgeblich das soziale und kulturelle Leben in Trier nach dem 1. Weltkrieg prägt. Nicht unerwähnt blieb das Schicksal der Künstlerin und Lehrerin Adele Elsbach, deren Entwürfe von Glasfenstern erst vor kurzem entdeckt und im Simenon Stift ausgestellt wurden. Eine besondere Station war das heutige Kaufhaus Sinn, ehemals Insel, das der jüdischen Familie Hermann Haas gehörte. Nach dem frühzeitigen Tod von Hermann Hass führte die junge Witwe Berta Levy das Kaufhaus sehr erfolgreich weiter. Nebst einem Neubau wurde unter ihrer Geschäftsleitung ein weiteres Geschäft in der Brotstraße übernommen.

Beeindruckend auch die Besichtigung des Judenfriedhofs in der Weidegasse, wo sich die Grabstätten des Großvaters und Urgroßvaters von Karl Marx befinden. Der Friedhof ist für die Öffentlichkeit nicht frei zugänglich.

Bis heute zeugen der jüdische Friedhof und die historischen Häuser der Judengasse sichtbar von der Vergangenheit jüdischen Lebens in Trier. Anfang des 14. Jahrhunderts erlebte die Gemeinde ihre Blütezeit, das jüdische Viertel nahe am Hauptmarkt bestand aus rund 60 Gebäuden, in denen mehr als 300 Menschen lebten. Mit den Pestpogromen 1349 kam das jüdische Leben auch in Trier fast völlig zum Erliegen, 1418/19 erfolgte die endgültige Ausweisung aus Kurtrier. Erst im 17. Jahrhundert wurden jüdische Bürger wieder zugelassen. Nach dem 2. Weltkrieg erwachte das jüdische Leben langsam wieder. In den 1990er Jahren wuchs Trier auf rund 500 jüdische Menschen an.

Ein ganz besonderes Erlebnis war die Besichtigung der Synagoge in der Kaiserstraße und der anschließende herzliche Empfang und Austausch mit dem Frauenverein der Jüdischen Kultusgemeinde. Die amtierende Vorsitzende Jeanna Bakal führte durch den Gebetsraum und erläuterte die Rituale, liturgischen und sakralen Gegenstände, die für einen Gottesdienst erforderlich sind.

Anschließend lud sie zu einem koscheren Imbiss in den Versammlungsraum der Synagoge ein. In angenehmer Runde wurde angelehnt an die Aktion „Meet a Jew“ viele Fragen beantwortet. Beispielsweise: „Wie sieht Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in ihrer Gemeinschaft bzw. in ihrer Religion aus? Was erwartet die Jüdische Gemeinschaft von Frauen? Wie sieht ihr Alltag aus? Wie lebt es sich in Deutschland?“ Abgerundet wurde die Begegnung mit hebräischen und deutschen Liedern u.a. dem bekannten „Jerusalem of Gold“ vorgetragen vom Frauenchor der Jüdischen Kultusgemeinde Trier, so konnte der Tag in bester Stimmung ausklingen.

Die Kommunalen Gleichstellungsbeauftragten und die teilnehmenden Frauen bedanken sich recht herzlich bei allen für diesen informativen und angenehmen Nachmittag.

Etwa 200.000 Angehörige der jüdischen Religion leben derzeit in Deutschland, in Rheinland-Pfalz sind es ca. 3.000 und in der Trier ca. 500. Wie auch bei anderen Religionen, sind nicht alle Zugehörigen religiös.


 

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