Wittlich

Am vergangenen Sonntag fand auf dem Friedhof Burgstraße die Gedenkfeier der Stadt Wittlich zum Volkstrauertag, zu der auch der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier Thomas Linnertz gekommen war, statt. Vor dem Ehrenmal wurden Kränze der Landesregierung, der Bundeswehr, der Stadt Wittlich und der beiden Kriegsgräberorganisationen niedergelegt. In seiner Ansprache erinnerte Bürgermeister Joachim Rodenkirch an den vor 80 Jahren, am 22. Juni 1941 unter dem Decknamen „Unternehmen Barbarossa“ begonnene Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion. Im Zuge des Krieges gegen die Sowjetunion erfolgte auch der Angriff auf Jugoslawien und Griechenland. Es begann ein Vernichtungskrieg nie gekannten Ausmaßes. Der Krieg in der Sowjetunion war ein rassistischer Vernichtungskrieg, in dem große Teile der Zivilbevölkerung rücksichtslos dezimiert und entrechtet wurden.

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Mit dem Hungerplan, zu dem die Belagerung Leningrads gehörte, wurde der Hungertod vieler Zivilisten und Millionen von Kriegsgefangenen eingeplant. Außerdem wurden Einsatzgruppen aufgestellt, die hinter der Front Massenmorde, insbesondere an Juden, Slawen und Kommunisten begangen haben. Am 29.und 30. September 1941 wurden in der Schlucht von Babyn Jar (Kiew) innerhalb von 48 Stunden von den Einsatzgruppen mehr als 33.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder ermordet.

Zeitgleich wurde der Holocaust mit dem in der Menschheitsgeschichte einmaligen Genozid an unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern (der jüdischen Bevölkerung) vorangetrieben.
Die Geschehnisse, das Leid, die Gewalt und Grausamkeit sind unvorstellbar, daher gelte es, so Bürgermeister Rodenkirch alles dafür zu tun, dass sich Geschichte nicht wiederholt, : „Wir müssen achtsam sein und die Stimme erheben, wenn sich Populismus, Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus wieder schleichend in unserer Gesellschaft verbreiten“.

Insofern verneigen wir uns heute in Trauer vor den Opfern und bleiben ihnen verbunden in der dauerhaften Verpflichtung für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit
Auch in diesem Jahr wirkten Schülerinnen und Schüler der Clara-Viebig-Realschule plus an der Gedenkveranstaltung mit. Das Schülersprecherteam Mohammad Abo Azrik, Lana Douba, Nil Roja Yalcinkaya und Yusuf Yalcinkaya hatten das bekannte Plakat „Nie wieder Krieg“ von Käthe Kollwitz mitgebracht. Eine Schülerin und ein Schüler trugen einfühlsam und ergreifend ihre Erinnerungen an den Krieg in ihrem Heimatland vor. Ihre Forderung stimmt mit der von Käthe Kollwitz‘ Forderung „Nie wieder Krieg“ überein.

Die Kränze wurden beim Erklingen des Musikstücks „Ich hatt einen Kameraden“ niedergelegt. Das gemeinsame Singen der Nationalhymne bildete einen würdigen Abschluss der Veranstaltung. Der Bürgermeister bedankte sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Wittlich, dem Blasorchester Wittlich, der Reservistenkameradschaft Wittlich sowie den Schülerinnen und Schülern der Clara-Viebig-Realschule plus für die Mitwirkung an der Gedenkveranstaltung.

Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf Vorschlag seines bayerischen Landesverbandes zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt. Nicht „befohlene“ Trauer war das Motiv, sondern das Setzen eines nicht übersehbaren Zeichens der Solidarität derjenigen, die keinen Verlust zu beklagen hatten, mit den Hinterbliebenen der Gefallenen.


 

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