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Dating-Unternehmer Christian M. Haas: Warum Online-Dating mehr Ehrlichkeit statt immer neuer Algorithmen braucht

Datingplattformen versprechen passende Kontakte, intelligente Empfehlungen und immer schnellere Matches. Christian M. Haas, Betreiber mehrerer spezialisierter Singlebörsen, hält jedoch einen anderen Faktor für entscheidender: ehrliche Profile, realistische Erwartungen und respektvolle Kommunikation.

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Online-Dating wird zunehmend von Algorithmen, künstlicher Intelligenz und automatisierten Empfehlungen geprägt. Nutzer sollen innerhalb weniger Sekunden entscheiden, ob eine Person interessant sein könnte. Häufig reichen dafür ein Foto, ein kurzer Text und wenige Profilangaben.

Christian M. Haas beobachtet diese Entwicklung kritisch. Seit 2008 beschäftigt er sich mit Online-Dating und betreibt heute mehrere Singlebörsen für unterschiedliche Zielgruppen.

Seiner Erfahrung nach scheitert die Partnersuche im Internet häufig nicht an fehlender Technik. Das größere Problem seien unvollständige Profile, austauschbare Nachrichten und Erwartungen, die keine Plattform erfüllen könne.

Ein Algorithmus kann zwei Profile miteinander vergleichen. Er kann aber nicht garantieren, dass sich zwei Menschen sympathisch finden, einander vertrauen oder gemeinsam durchs Leben gehen möchten“, erklärt Haas.

Zu viele Kontakte sind nicht automatisch besser

Viele Datingangebote setzen auf eine möglichst große Zahl potenzieller Kontakte. Nutzer können in kurzer Zeit zahlreiche Profile ansehen und Nachrichten versenden.

Diese große Auswahl könne jedoch auch zum Problem werden. Wer ständig das Gefühl habe, dass hinter dem nächsten Profil vielleicht noch ein besserer Partner warte, beschäftige sich weniger intensiv mit einzelnen Menschen.

Haas spricht sich deshalb für einen bewussteren Umgang mit Online-Dating aus. Statt täglich möglichst viele Profile anzuschreiben, sei es oft sinnvoller, wenige Personen auszuwählen und sich tatsächlich mit deren Angaben zu beschäftigen.

Eine gute erste Nachricht müsse nicht besonders kreativ oder lang sein. Sie sollte jedoch zeigen, dass das Profil gelesen wurde. Eine Frage zu einem Hobby, einem Reiseziel oder einer Aussage im Profil könne bereits ausreichen, um ein persönliches Gespräch zu beginnen.

Das eigene Profil entscheidet mit

Auch das eigene Profil werde von vielen Nutzern unterschätzt. Wenige Stichpunkte, veraltete Fotos oder allgemeine Aussagen wie „Ich reise gerne und treffe Freunde“ gäben anderen Singles kaum einen konkreten Gesprächsanlass.

Haas empfehlt deshalb, nicht nur Eigenschaften aufzuzählen, sondern kleine Einblicke in den eigenen Alltag zu geben. Statt lediglich zu schreiben, dass man gerne reist, könne man beispielsweise ein besonderes Reiseziel nennen. Wer gerne kocht, könne verraten, welches Gericht regelmäßig gelingt oder regelmäßig misslingt.

Solche Details machten ein Profil persönlicher und erleichterten die Kontaktaufnahme.

Gleichzeitig warnt Haas davor, das eigene Leben schöner oder aufregender darzustellen, als es tatsächlich ist. Wer eine Beziehung suche, müsse irgendwann auch den realen Alltag miteinander teilen.

Ein perfektes Profil bringt wenig, wenn die dargestellte Person im echten Leben nicht existiert“, sagt Haas. „Langfristiges Vertrauen entsteht nur, wenn Selbstdarstellung und Wirklichkeit zusammenpassen.“

Spezialisierte Plattformen können Orientierung geben

Neben der Art der Kommunikation spielt auch die Auswahl der Plattform eine Rolle. Haas betreibt nicht nur die allgemeine Singlebörse elFlirt.de, sondern auch verschiedene spezialisierte Datingangebote.

Dazu gehören Plattformen für Alleinerziehende, Akademiker, Menschen über 50, Tierfreunde, christlich orientierte Singles, Fußballfans und weitere Zielgruppen.

Der Vorteil solcher Angebote liege nicht darin, dass dort automatisch jeder Kontakt passe. Sie könnten jedoch eine gemeinsame Ausgangslage schaffen.

Alleinerziehende müssten beispielsweise nicht erst erklären, warum ihre Zeit begrenzt sei oder warum Kinder bei der Planung einer neuen Beziehung berücksichtigt werden müssten. Menschen über 50 könnten andere Vorstellungen von Partnerschaft, Wohnen und Zukunft haben als jüngere Singles.

Auch gemeinsame Interessen erleichterten häufig den Gesprächseinstieg. Sie ersetzten zwar keine persönliche Verbindung, könnten aber dabei helfen, erste Berührungspunkte zu finden.

Warum nicht jede Nachricht beantwortet wird

Einer der häufigsten Kritikpunkte am Online-Dating sind unbeantwortete Nachrichten. Nutzer interpretieren dies schnell als Zeichen für eine schlechte Plattform, inaktive Mitglieder oder mangelnde Erfolgschancen.

Haas hält diese Schlussfolgerung nicht immer für gerechtfertigt. Auch in einer gut besuchten Singlebörse entscheide jeder Mensch selbst, auf welche Anfrage er reagiere.

Manche Mitglieder erhielten mehrere Nachrichten gleichzeitig. Andere seien nur gelegentlich aktiv oder merkten nach dem Lesen eines Profils, dass die Vorstellungen nicht zusammenpassten.

Dennoch könnten Plattformbetreiber dazu beitragen, Frustration zu reduzieren. Hilfreich seien verständliche Aktivitätsanzeigen, vollständige Profile, transparente Funktionen und klare Hinweise darauf, was Nutzer von einem Angebot erwarten können.

Unrealistische Erfolgsversprechen lehnt Haas ab. Eine Plattform könne Kontakte vermitteln, aber keinen Beziehungsabschluss versprechen.

Künstliche Intelligenz als Unterstützung, nicht als Ersatz

Auch künstliche Intelligenz wird beim Online-Dating eine immer größere Rolle spielen. Sie kann dabei helfen, Profiltexte zu strukturieren, unangemessene Inhalte zu erkennen oder passende Kontakte vorzuschlagen.

Haas sieht darin Chancen, warnt aber vor einer vollständigen Automatisierung des Kennenlernens. Wenn Profiltexte, Nachrichten und Antworten ausschließlich durch KI erstellt würden, könne die Kommunikation schnell ihre persönliche Grundlage verlieren.

Es ist sinnvoll, sich beim Formulieren unterstützen zu lassen“, sagt Haas. „Aber spätestens beim echten Gespräch muss die Person hinter den Nachrichten auch tatsächlich erkennbar sein.“

KI könne außerdem dabei helfen, auffälliges Verhalten und mögliche Betrugsversuche früher zu erkennen. Voraussetzung sei jedoch ein verantwortungsvoller Umgang mit persönlichen Daten.

Sicherheit und Vertrauen bleiben zentrale Aufgaben

Online-Dating findet in einem besonders sensiblen Bereich statt. Nutzer geben Informationen über ihre Persönlichkeit, ihre Wünsche, ihren Wohnort und teilweise über ihre familiäre Situation preis.

Für Haas gehören Datenschutz, verständliche Regeln und erreichbare Ansprechpartner deshalb zu den wichtigsten Grundlagen einer seriösen Singlebörse.

Nutzer sollten zudem vorsichtig sein, wenn neue Kontakte sehr schnell Geld fordern, dramatische Notlagen schildern oder Gespräche sofort auf andere Kommunikationskanäle verlagern möchten. Persönliche Daten, Ausweisdokumente oder finanzielle Informationen sollten niemals leichtfertig weitergegeben werden.

Beim ersten Treffen empfehlt sich ein öffentlicher Ort. Auch eine vertraute Person sollte wissen, wann und mit wem das Treffen stattfindet.

Dating ohne Bullshit“

Seine Erfahrungen aus vielen Jahren Online-Dating verarbeitet Christian M. Haas auch in seinem Buchprojekt „Dating ohne Bullshit“.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen online und offline ehrlicher miteinander umgehen können. Das Buch soll keine Anleitung für perfekte Nachrichten oder psychologische Tricks sein. Stattdessen geht es um Selbstreflexion, klare Erwartungen und einen respektvollen Umgang mit anderen Singles.

Haas ist überzeugt, dass erfolgreiche Partnersuche nicht damit beginnt, sich möglichst gut zu verkaufen. Sie beginnt damit, zu wissen, wer man ist und welche Beziehung man tatsächlich führen möchte.

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Online-Dating braucht nicht immer noch mehr Geschwindigkeit“, fasst Haas zusammen. „Es braucht mehr Klarheit, mehr Verbindlichkeit und den Mut, sich ehrlich zu zeigen.“


 

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